Provozierender Liebesbrief

Vor einiger Zeit hat die „Lies!“-Kampagne der Salafisten zu Verwunderung und Verunsicherung geführt. Das Ziel dieser Kampagne war es, jeden deutschen Haushalt mit einem Koran zu „bestücken„. Ein Koran in Deutschland? Das kann nicht sein! Gehört da nicht eigentlich eine Bibel hin?!

Meiner Meinung nach sind die Zeiten, in denen die Bibel zur Standardliteratur des Bürgers gehörte, vorbei. Ich hab es selbst erlebt, dass sie als „von Menschen gemachtes“ Buch verstaubt oder ihren Platz im Haushalt an ein Kochbuch verloren hat.

Für uns Christen ist das eine herbe Angelegenheit, da das Wort Gottes allein durch seine eigene Dynamik „nur“ durch das Lesen viele Menschen zum Glauben geführt hat. Doch wer es nicht liest, kann auch nichts davon erfahren. Oder doch?

In 2. Korinther 3 schreibt Paulus, dass wir ein Brief Christi sind, der von allen Menschen gelesen wird; nicht nur von denen die eine Bibel haben, sondern von allen Menschen!

Wenn die Menschen schon nicht in der Bibel Gottes Botschaft lesen, dann eben in uns.

„Unser Brief seid ihr, eingeschrieben in unsere Herzen, erkannt und gelesen von allen Menschen; von euch ist offenbar geworden, das ihr ein Brief Christi seid, ausgefertigt von uns im Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind.“

Du bist ein Brief Christi, gelesen von allen Menschen!

Stell Dir das mal bildlich vor: auf Deinem Rücken klebt Dein Leben lang ein Zettel, den jeder, der mit Dir täglich zu tun hat, lesen könnte. Dieser Zettel zeugt von Deinem Verhalten in verschiedenen Situationen Deines Lebens. Das ist es nämlich, was in der Welt gelesen wird, Dein Verhalten.

Auf Dein Verhalten kommt es an.

Die spannende Frage an dieser Stelle ist, was für ein Brief bist Du? Bist Du ein „Theologisches Mahntraktat„, das den Menschen um Dich herum ein schlechtes Gewissen macht? Oder bist Du ein Liebesbrief Gottes an seine Kinder, die sich in der Dunkelheit der Welt verirrt haben und nach einem Ausweg suchen, den nur ihr Vater im Himmel geben kann?
Auch wenn es wichtig ist, sich gegenseitig auf Sünde hinzuweisen, ist ein provokantes Gemecker über die Fehler anderer oft kontraproduktiv als nützlich für das Reich Gottes. Der Heilige Geist ist letztendlich derjenige, der die Herzen der Menschen von Sünder überführt, nicht Du!

Was wirklich provokant in unserer Gesellschaft sein kann, ist die verschwenderische Nächstenliebe, die in unserem Glauben, in unserem Leben und in unserem Verhalten Gestalt annehmen kann. Denn es gibt nichts auf der Welt an dem es so mangelt, wie an der Liebe!

Liebe ist die Mangelware Nr.1 in unserer Welt!

Und genau da setzt auch Paulus in Epheser 5, 1+2 an, wenn er schreibt: „Sei nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder! Und wandelt in Liebe, wie auch Christus uns geliebt […] hat.

Wandeln wir in unserem Alltag in Liebe?

Wenn ich ehrlich auf mein Leben schaue dann merke ich, dass ich eben oft nicht in „Liebe wandle„. Die Fehler an anderen Menschen fallen mir auf und ich ärgere mich oft darüber. Anstatt den Vorteil Anderer zu suchen, suche ich meinen Eigenen.

Wenn wir dazu das Gleichnis des verlorenen Sohnes betrachten fühle ich mich eher wie der ältere Bruder, der grimmig seinen Vater auf die schlimmen Dinge des jüngeren Bruders hinweist, als die Liebe des Vaters für den Sünder, der umkehrt, zu teilen. Das „Ältere-Bruder-Syndrom“ ist meiner Meinung nach ein Hauptgrund dafür, dass Menschen die Kirche verabscheuen, weil sie durch die Lieblosigkeit von Christen tief verletzt wurden, statt Vergebung und Heilung zu erfahren. „Wenn die so sind, möchte ich nichts mit ihnen zu tun haben.

Es geht mir hier nicht darum, Sünde zu verharmlosen oder gar mit dem Schwamm der Liebe jedes Verhalten zu rechtfertigen. Mir geht es darum, dass bußfertige Menschen von rechthaberischen Christen regelrecht verscheucht werden können, wenn sie nicht in Liebe wandeln.

Gott freut sich immer um einen Sünder, der umkehrt und sucht immer nach dem verlorenen Schaf!

Die Sünde der Welt ist also nicht Gottes Problem – er hat es ja durch Jesus Christus gelöst – sondern Unseres. Die Liebe zu unserem Nächsten wird oft von unserer Moral blockiert. Doch weshalb haben wir mit Nächstenliebe so ein Problem?

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ Dies ist das größte erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Matthäus 22, 36+37

[…] WIE DICH SELBST!

Ich behaupte, dass wir nicht verstanden haben, das wir nur in dem Maße andere Menschen lieben können, wie wir uns selbst lieben.

Deine Nächstenliebe ist abhängig von Deiner Selbstliebe; Selbstliebe ist die Voraussetzung für Nächstenliebe.

Wenn wir ein Problem mit der Liebe zu anderen Menschen haben und uns fragen, weshalb wir uns mit anderen so schwer tun, müssen wir uns eine Frage stellen: Lieben wir uns selbst? Und wenn wir merken, dass wir ein Problem mit der Liebe zu uns selbst haben, dann ist es selbstverständlich, dass wir ein Problem mit der Nächstenliebe haben. Es steht nämlich nicht, das wir unseren Nächsten MEHR LIEBEN sollen als uns selbst. Und die Reise zur Selbstliebe ist eine spannende und tiefe Reise in unser Herz und an das Herz des Vaters.

 

Gebet:

Vater, ich bitte dich zu verstehen was es heißt dich und mich zu lieben. Heiliger Geist hilf mir zu begreifen wie du mich siehst, damit ich verstehe wie du meine Mitmenschen siehst und hilf mir zu einem dienlichen „Brief“ Christi zu werden.

In Jesu Namen, Amen.

Euer

Blogbeitrag zu Predigt 20.08.2017

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