Meine Reise durch den Psalm 23 Vers 5a

Psalm 23 

5a Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde. 

Diese Stelle habe ich oft überlesen oder unbewusst übersprungen, weil ich nicht wirklich etwas damit anfangen konnte. Weshalb deckt Gott einen Tisch? Und warum im „Angesicht“ meiner Feinde?

Bei näherer Betrachtung hat mich die Tiefe dieses Textes sehr bewegt!

Du…

Schon einen Vers zuvor kommt David vom Meditieren oder Nachsinnen darüber, wie Gott ist, hin zur persönlichen Anrede und spricht direkt zu Gott. David führt das hier fort.

Manchmal müssen wir uns – wie David – wieder bewusst machen, wie Gott ist, was er für uns getan hat und welche Eigenschaften in Ihm sind. Ist uns das wieder neu bewusst, können wir uns mit einem freien und echten Herzen zu Ihm wenden.

Manchmal blockiert uns ein falsches Gottesbild oder eine Lüge, die wir über Gott denken.

David muss in diesem Psalm auch erst einige wahre Dinge aussprechen, um wieder in einen „Modus“ zu kommen, der ihn in die „Wahrheit“ vor Gott bringt.

Gerade wenn wir mit Problemen konfrontiert werden, ist es wichtig, in die Wahrheit vor Gott zu kommen.

Du bereitest vor mir einen Tisch…

Das Wort „bereiten“ bedeutet das Vorbereiten eines Festessens.

In einer Kultur, in der es üblich war, dass Menschen den Göttern Opfergaben vorbereiteten und herrichteten, ist dieses Zeichen, dass Gott uns ein Festessen zubereitet, enorm tief und liebevoll.

Gott kommt uns nicht nur entgegen, erduldet oder erträgt uns, er bereitet uns ein Festessen vor! Gott ist ein Gott der Begegnung!

Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde.

Stop! Was machen denn bitte die Feinde in Sichtweite des Tisches, den Gott für mich gedeckt hat? Wieso schickt Gott die Feinde nicht weg, bringt sie um oder löst die Feinde auf übernatürlichem Wege einfach auf? Warum löst Gott nicht das Problem?

Die Antwort: Ich weiß es nicht. Es gibt viele Theorien, aber keine klare Antwort. Auf die Frage: „Warum begegnet mir Leid und warum nimmt Gott es nicht einfach weg?“ bekommen wir in diesem Leben keine Antwort. Punkt.

Aber wird Leid besser oder leichter zu ertragen, wenn wir verstehen, warum es existiert?

Das Wichtige ist doch, dass wir wissen, wie wir damit umgehen sollen, oder? Und der Vers zeigt uns, dass Gott uns in schweren Zeiten nicht alleine lässt und mit uns die Probleme angehen will, auch wenn das nicht die einfachste Lösung ist und wir in Verantwortung genommen werden.

Der Wunsch, dass Gott, sobald wir ein Problem haben, dieses Problem lösen soll, ist ein wichtiger Wunsch. Dieser Wunsch offenbart folgende Wahrheit: Leid ist schlecht und wir Menschen wurden nicht für Leid geschaffen.

Aber leider hinkt dieser Wunsch, denn diese Welt ist gefallen und deshalb voll mit Elend, Sünde, Leid und Problemen.

Feinde, Leiden und Probleme sind normal. Diese Welt ist kaputt, auch wenn wir immer wieder versuchen, das zu verdrängen oder es nicht wahrhaben wollen, weil es weh tut.

Und wenn wir dann mit Leid und Problemen konfrontiert werden, dann suchen wir einen Verantwortlichen, dem wir das Problem übergeben können und der es zu lösen hat. Und da Gott ja die Welt geschaffen hat, soll er sich bitte persönlich um die Probleme kümmern.

Aber leider funktioniert die Welt nicht so.

Und  „Konsument des Guten“ ist nicht unsere einzige „Aufgabenbeschreibung“ auf dieser Welt.

Wir sind dazu berufen, zu herrschen und mit und durch seine Kraft diese Welt zu verbessern.

So wie Gott Adam den Auftrag gab, auf und an der Erde zu arbeiten, sie zu beschützen und zu bewahren, sind wir dazu berufen, den Problemen dieser Welt mit Gottes Kraft aktiv entgegenzuwirken.

Gott bereitet uns einen Tisch, Er begegnet uns im Leid und in den Herausforderungen. Er stellt uns Ressourcen zur Verfügung, er schenkt uns Trost, Frieden und die Kraft seines Heiligen Geistes.

Wenn wir es schaffen, Gott trotz schwerer Situationen zu vertrauen, existiert die Möglichkeit, ihn tiefer zu erleben als jemals zuvor. Schaffen wir es nicht, ist die Gefahr sehr groß, dass sich Lügen über Gott einnisten und wir den Halt in unserem Glauben oder den Glauben selbst verlieren.

Es ist Gott, der uns auf dem Weg bis zum nächsten Sieg hilft. Wir müssen uns besinnen, bei Ihm auftanken und mutig in seiner Kraft weitergehen!

So hart, unsinnig, unfair, schwer und unmöglich das manchmal auch zu sein scheint…

PS: Ich bin mir der Härte des Themas bewusst und will darauf hinweisen, dass der seelsorgerliche Aspekt vermutlich sehr gering ist. Ich bete, dass, wenn Du Dich in einer schweren Situation befindest, Gott Dir begegnen kann und Du Dir bewusst machen kannst wie ER wirklich ist und dadurch Hilfe erfährst… 

Gott segne Euch mit seinem Frieden, Schutz und Trost.

 

 

 

 

 

 

Euer Jonas Reinöhl