Meine Reise durch den Psalm 23 Vers 4b

Psalm 23
4 … dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.

Trost brauchen wir nicht in Zeiten der Freude. Trost brauchen wir in Zeiten der Trauer.

Nur wer trauert, kann getröstet werden.

David erfährt den Trost Gottes durch eine für uns sehr ungewöhnliche Art und Weise. David beschreibt Trost durch seinen Stecken und Stab.

Aber wie bitte kann denn ein Stecken und Stab trösten?

Dazu gibt es unterschiedliche Theorien:

Dein Stecken…

Der Stecken war ein kurzer, sehr harter Stock, der als Waffe diente.

Mit diesem Stecken stellte sich der Hirte gegen wilde Tiere oder Räuber, die eine Gefahr für die Herde waren.

Stell dir folgendes Szenario vor: Du bist ca. einen halben Tag von deinem Zuhause entfernt und streifst mit deiner Herde durch die fruchtbaren Gegenden. Plötzlich entsteht Unruhe und Panik in deiner Herde, weil sich ein hungriger Berglöwe deiner Herde nähert. Alles Schreien und Brüllen, um den Löwen zu verscheuchen, bringt nichts und du musst dich dem Tier zum Kampf stellen.

Du nimmst deinen Stecken in die Hand, mit dem du dann dem Raubtier – nachdem es dich mit fletschenden Zähnen anfällt – mit einem harten Hieb den Schädel zertrümmerst.

Dafür war der Stecken da.

…und dein Stab…

Der Hirtenstab galt früher als Herrschaftssymbol. Könige und Pharaonen drückten mit dem Hirtenstab ihre Machtposition aus. Sie waren diejenigen, die führten und die Richtung angaben.

Ich bin der Meinung, dass David in den Hirtenstab nicht sehr viel Herrschaftssymbolik gesetzt hat. Er selbst war Hirte und ich denke, dass David ein guter Hirte war, dem seine Schafe wichtig waren. Aus seiner Sicht war der Stecken vermutlich weniger ein Symbol für Herrschaft, sondern viel mehr ein Werkzeug, um den Tieren die Richtung zu geben, wenn sie aus Furcht wieder irgendwo hinrennen, wo es nicht gut für sie ist. Ein Hirte schlägt mit diesem Stab seine Tiere auch nicht tot. Er führt Sie zwar klar und deutlich, aber trotzdem liebevoll in eine Richtung.

Hier müssen wir doch deutlich festhalten, dass Gott keine Krankheit oder Leid schickt, um uns von Dingen abzuhalten. Er kann uns im Leid begegnen, aber ich bin absolut nicht für das Bild des strafenden Hirtens.

Wenn uns Gott mit seinem Stab zur Umkehr führt, dann aus Liebe. Er führt uns zur Umkehr – hin zum Leben und weg vom Verderben.

…sie trösten mich.

Das Gott ein Gott ist, der wie ein Hirte nach der Herde schaut, wird im Neuen Testament auch aufgegriffen. Jesus sagt von sich selbst, dass er der gute Hirte ist. Wenn der Schöpfer der Erde sich selbst als guten Hirten vorstellt, dann kann uns das schon zum Trost werden, weil wir in letzter Konsequenz wissen dürfen, dass Gott es gut meint. Auch wenn wir im Moment in einer komischen Lebenssituation sind, die uns verwirrt und Angst macht, wissen wir, dass Gott als guter Hirte eingreifen wird, indem er uns Richtung gibt und gleichzeitig für uns kämpft!

Ein anderer Aspekt des Trostes bezieht sich auf eine Gewohnheit unter den Hirten in der damalige Kultur.

Es war anscheinend üblich, den Stab und den Stecken mit Schnitzereien zu verzieren. Wenn der Hirte beispielsweise einen Löwen erschlagen hatte, hat er dies im Nachgang in seinen Stecken geschnitzt und voller Stolz davon erzählt. Auch andere Erlebnisse wie die Rettung eines verlorenen Schafes oder ähnliches könnte sich auf dem Stab als kunstvolle Verzierung wiederfinden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Geschichten immer wieder abends am Lagerfeuer mit den anderen Hirten geteilt wurden. Jeder erzählte dann voller Stolz von den großen Taten, die er für die Nachwelt in seinem Stab künstlerisch festgehalten hatte.

Bill Johnson mahlte dieses Bild aus, indem er sagte: „Stellt euch vor, ihr steht als Schaf auf der Weide und der gute Hirte lehnt sich auf den prachtvoll verzierten Stab voller Zeugnisse der Wunder Gottes.“

Wenn wir uns an die guten Dinge und Wunder erinnern, die wir mit Gott erlebt haben und die Gott in unserem Leben schon getan hat, wird unser Herz mit Trost erfüllt.

Gott hat schon so viel Gutes getan! Er kämpfte für uns! Er führte uns! Er hat uns so viel Gutes geschenkt! Und er bleibt derselbe – damals, heute und in Ewigkeit. Er wird uns wieder Gutes tun, weil er nicht anders kann!

Seid gesegnet. Euer Jonas